Für unsere Freunde in Deutschland
Erster Einstieg, erster Versuch in eine deutsche Seite unserer Fundación. Der blaue Planet dreht sich langsam und das Blaue des Himmels macht uns hier in Osorno zu schaffen: hohe Temperaturen laufen nun schon eine ganze Weile über unsere Dächer und da diese aus Wellblech sind, könnt Ihr Euch vorstellen, was da drunter los ist. Ich sitze wie am Strande, nur mit einer Badehose bekleidet, am Schreibtisch, hinter mir surrt ein Ventilator, der - wegen der hohen Temperaturen – eigentlich nur warmen Wind verteilt, sonst nichts.
Ihr erwartet eine Nachricht aus unseren Breiten, mit Recht. Langsam und ohne Hast werfe ich einen kleinen Rückblick (ohne Zorn) in die letzten Wochen lasse Euch teilnehmen an diesem nicht immer „ferienhaften Glück“.
Ich wusste ja, dass die letzten Schulwochen und die Januarzeit Volleinsatz werden würden ob der Errichtung unseres neuen Schulprojektes. Sowas ist echt ein Vollzeit-Job: der Papierkrieg, das pädagogische Projekt, die Arbeit mit den Lehrern etc.
Vorsorglicherweise hatte ich ab Oktober einen Universitätsprofessor in Pädagogik engagiert, der sich voll hineingestürzt hat in die Vorbereitung, Ausarbeitung der neuen pädagogischen Pläne und vor allem in die Einführung der Lehrer (die alten und die neuen) in das Projekt einer musischen Schule. Das hat viel Schweiss gekostet und Nerven, denn die alten Lehrer begriffen immer noch nicht wohin die Segel gesetzt wurden. Einige mussten daher auch die Federn lassen. Die Einstellung neuer Lehrkräfte wurde publiziert und so kamen in mein elektronisches Postfach viele hunderte (!!) curricula vitae, die gelesen und aussortiert werden mussten. Das hat mit mir ein Team getan und jeder hatte dabei seinen Platz, dann die Auswahl und die Vorstellungsgespräche, nach der Auswahl darauf sofort die erste Arbeit mit den neuen Lehrern, von denen dann nach 10 Tagen Arbeit zwei den Hut nahmen und erneut musste publiziert werden,derselbe Prozess…. ( vor allem Mathemathik, Biologie sind die Fächer wo Lehrkräfte fehlen, und vor allem geeignete, die auch unser Projet verstehen!). Diese Arbeit ist nun geschafft und die Fächer sind belegt, in der Hoffnung eine gute Wahl getroffen zu haben.

Wir müssen ja auch in Betracht ziehen,dass wir keine „ausgewählten SchülerInnen“ haben, für alle (vor allem für Leute aus Randsiedlungen) dasein wollen und dennoch Leistungschule werden wollen…. Das sind Dinge, die nicht immer so zusammen passen. Dann kommt hinzu,dass Musik und Theater ( und wohl auch Tanz) den Ton der Schule angeben werden, dabei aber die von der Regierung vorgeschriebenen Fächer gedeckt sein müssen. (Also auf die Schüler wird einiges zukommen).
Dazu kamen dann natürlich die Anforderungen der Infrastrukturen unseres Schulkomplexes, die ja beim Bau vor 19 Jahren nur für Grund und Hauptschule gedacht waren. Zum Glück können wir beginnen mit den vorhandenen Klassenzimmern mit einigen Umbauten: Gesetzlich verlangt sind im Moment nur als spezielle Räume:
- ein grösserer Bibliotheksraum
- ein Physiksaal.
- eine neue Schulmensa
Ein Architketenbüro hat schnell mitgemacht ( es der Architekt des Studentenviertels) und so werden im Moment die Räumlichkeiten ausgebaut, umgebaut, neuerstellt. Wie immer ist es ein Rennen gegen die Zeit.
Dank des Spendeneinsatzes vieler Familien aus unserem Freundeskreis konnten wir es wagen den Umbau zu beginnen und auch voll durchzuführen auf Grund einer Erbschaft, die der Stiftung aus dem „Dillenburger Lande“ zufiel.
Die Schülerzahl unserer Schule, die auf Grund des neuen Projektes auch ihren Namen geändert hat, wird sich wenigstens verdoppeln. Die Grund- und Hauptschule „Sor Teresa de los Andes“ verwandelt sich nun in ein Kolleg: „Colegio Artístico Santa Cecilia“
Der Um- und Aufbau geht also weiter: Als zweiter Schritt ist 2009/2010 geplant eineAufstockung des ersten Schultrakt, um die Grund und Hauptschule von der Oberstufe zu trennen. (Ausserdem wird hier in die nächsten Jahren das Schulsystem wieder geändert:Grundschule wird gehen bis zum 6. Schuljahr und dann vom 7. bis 12. heisst das Ganze dann Oberschule). Wir haben unser Schulprojekt sofort darauf geplant, auch mit der Verteilung der Lehrer ( was natürlich Ärger gab).
Die Baulichkeiten sind also wiedermal in vollem Gange. „Der Häuslebauer“- gemäss dem Titel der Sendung des SWR – steht also wieder mit dem Zeichner am Reissbrett und plant. ( Es kommt mir so vor als ob sich das Leben über mich lustig macht: ich hätte vor nun fast 50 Jahren in Dillenburg das Abitur fast nicht geschafft, wegen meiner mathematischen Unbegabung!!)
Bauen ist leider sehr, sehr teuer geworden in Chile ( es ist nicht mehr so wir in den Zeiten unserer Siedlungsarbeiten vor 20 Jahren) und bereitet Kopfschmerzen.
Die Ausarbeitung aller Pläne bedeuteten naturlich eine Menge Sitzungen und Diskussionen und seit Anfang Januar bin ich wieder dabei, bei dem Stadtbauamt Bücklinge zu machen und gute Laune zu verbreiten, was mir leider nicht immer gelingt….( es ist derselbe Kampf mit den Behörden,die nichts anderes zu tun haben,als einem den Fuss zu stellen und Gebühren zu verlangen, was mich daran erinnert an meine Gymnasialzeit, als ich voller Begeisterung die Novellen von Gogol las, der sich viel über die im heiligen Russland waltende Bürokratie ausgelassen hat in seinen Schriften).
Am 13. Februar konnten die Aktenordner ( zwei „pralle Dinger“ mit viel Papier und Plänen) beim Erziehungsministerium eingereicht werden,natürlich verspätet, nicht alle Papiere konnten wir rechtzeitig zusammenkriegen, es ist Sommerzeit und so manche Kontrollbehörden, die ihre Einwilligung geben müssen, machen einfach nicht mit. So waren also wieder Bücklinge nötig, man musste um Aufschub bitten und gnädigst ausgehändigt bekommen…… So verlaufen die Tage und man weiss nicht warum. Das Kultusministerium ist zum Glück voll auf unserer Seite, fragt ständig nach und will, dass das Projekt zustandekommt. Das ist unser Pro.
Trotzdem: schöne Tage liegen hinter uns. Die Vorbereitung mit den SchülerInnen im Blick auf die neue musische Oberschule haben uns alle wie auf Wogen der Begeisterung getragen. Wir nutzten alle Chancen, um uns bekannt zu machen. Nicht nur durch Presse, Radio oder das lokale TV; unsere Mädchen gingen auch auf die Strasse als Mimen verkleidet und voller Fantasie.
Und es lohnt!! Eine grosse Anzahl von Familien aus den Stadtteilen mit sozialen Problemen haben ihre Chance mit uns entdeckt und werden bei uns einsteigen. Das ist ein erstes Resultat zweijähriger Arbeit mit den Kleinkindern aus diesen Milieus. Genau das wollen wir ja: denen ein Tür öffnen, die immer wieder zurückbleiben. Wir sind echt zufrieden. Vor 20 Jahren klopften die Familien mit ihren Kindern bei uns an mit der Bitte um einen Teller Suppe, heute steht der Hunger nach spiritueller und kultureller Nahrung auf dem Speisezettel. Daher ist mir diese Aufgabe sooooooo wichtig.
Das inspiriert uns voll und gibt uns grosse Hoffnung in unserer Aufgabe als
Kirche mit ihrem diakonischen Auftrag.
Euch daher erneut meinen aufrichtigen Dank an alle für jeden Euro zu diesem Projekt, das viel verspricht und schon gute Früchte zeigt. Die Arbeit mit Jugend und Kindern ist auf unser Schild geschrieben und ist absolut zukunftsorientiert. Das ist es was uns so Freude macht und Hindernisse überwinden hilft. Für unsere sehr intensive Schulpastoral ( Schüler – Eltern – Lehrer) hab’ ich mit Erlaubnis unseres Bischofs einen Ex-Priester kontraktiert,der früher in einer Nachbardiözese für Jugendarbeit zuständig war und ganz tolle Arbeit geleistet hat. Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit.
Als Voranbmeldung zu einem Ereignis in unseren cabañas in Puerto Octay, wo war diesen Januar viel los war. Wir wurden vom staatlichen Jugendamt als Freizeitorganismus für Kinder anerkannt und konnten ein Ferienprogramm ausarbeiten für 240 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren, jeweils für 80 Kinder in jeder Etappe ( 8 Tage). Es war gedacht als musische Freizeit, mit Lehrern für Musik, Kunst und Theater; gedacht für Kinder aus allen möglichen Milieus. Hat bestens geklappt und war natürlich sehr anstrengend für die Jugendleiter ( pro 10 Kinder ein Leiter, abgesehen vom Lehrpersonal. Mit dabei waren aus Deutschland zwei Studenten, zwei Abiturientinnen und ein Schweizer).
Die Ausarbeitung des Projekts lag in Händen von einem Assessor des Jugenddorfes. Die Vormittage waren bestimmt für die Kunst (alles spielend) und die Nachmittage dann Sport, Spiele, Schwimmen, Lagerfeuer etc. Für die Finanzierung stand die Regierung ein: Essen (sehr gut!!), Zahnbehandlung für jedes Kind ( fahrende Kliniken präsent die ganze Zeit des Zeltlagers mit drei Zahnärzten und beste Behandlung) und die Jugendleiter.

Soviel als ersten Gruss auf dieser Seite:
Mit etwas Neid schaue ich auf die Touristen, die sich bei uns einmieten und ihre Ferien geniessen. Bis der ganze Schulprozess nicht voll eingefädelt ist muss ich ausharren und weiter mit den Behörden in Kontakt stehen, den Arbeitern auf dem Bau auf die Finger schauen;die Pfarrarbeit ist auf Grund der Sommerferien auf ein Minimum beschränkt. Das Brevier kommt früh am Morgen zum Zuge, die Predigten werden in den Nachtstunden durchdacht. Einen Stapel Bücher zum Lesen, für die Ferien vorbereitet, hab’ ich versteckt,damit mich die Versuchung nicht packt alles hinzuschmeissen und die Hitze als Feriengeschenk anzunehmen nicht als Strafe bei Behördengängen.
Das als einen kleinen Biss auf mein tägliches Brot.
Aschermittwoch bei Höchsttemperaturen war eine Schwitztour und die Fastenzeit fällt nun so richtig in die Erntezeit, wo die Früchte herrlich schmecken und Fasten einem wie Sünde vorkommt,denn die Sträucher hängen voller Beeren, die Bäume laden zum Schütteln ein und derApfelmost schmeckt in diesen Tagen am Besten. Was tun? Da kann man nur sagen: Geniesse die Fastenzeit und nimm den Himmel vorweg.
Un abrazo, Euer Peter Kliegel
February 18 2008 07:44 pm | Berichte und Ereignisse

